
Der Drachenläufer - Durch die ersten Seiten etwas gequält,die letzten 50 Seiten, na gut,aber insgesamt, weiß ich nicht wann ich so ein gutes Buch das letztmal gelesen habe ! Einfach Einzigartig !
Doppelmoral - Das Buch lag schon ein Weilchen in meinem Bücherschrank und nun las ich es während einer Reise. Zusammenfassend: Ob man Ayse (Geschichte einer Türkin, die zwangsverheiratet wurde) liest, oder Mein Schmerz trägt Deinen Namen (Ehrenmord Kosovo-Albanien vom Vater an der eigenen Tochter begangen), oder Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen (authentisches Frauenschicksal aus Afghanistan), allen Büchern wie Gesellschaften ist eines gemeinsam: Sie sind patriarchalisch organisiert, sie sind tief der Tradition verhaftet und Ehre steht über allem. Das alles findet sich auch im Drachenläufer wieder, jedoch viel subtiler. Weshalb gebe ich diesem hochgelobten Buch nur drei Punkte? Ja, es ist wunderschön geschrieben und der Konflikt der Hauptperson wird sehr deutlich. Und ja, man fühlt mit dem kleinen Jungen und versteht ihn auch wieder nicht. Absolut lesenswert, keine Frage. Doch der in den USA lebende, offenbar westlich orientierte Autor lässt die Klischees rund um Ehre und Patricharchat weiterleben, auch wenn sie Menschen ungerechtfertigterweise unglücklich machen und sie ungerecht behandeln - von Schlimmerem ganz zu schweigen. Eine solche Botschaft halte ich für nicht gerechtfertigt. Auch nur drei Punkte, weil das letzte Drittel des Buches etwas schlurig geraten ist. Bis dahin teilweise ein wenig langatmig und mit sehr vielen Details ausgeschmückt, ruckelt es auf den letzten 100 Seiten dem Ende entgegen und vergisst dabei einige Erklärungen, die es dem Leser einfacher machen, zu folgen. Die Immigrationsgeschichte halte ich für gewagt. Nach weiterer Lektüre (Do they hear you when you cry, Fauziya Kassindja, weibl. Beschneidung in Afrika, die Autorin schildert auch ihre sehr schwierige Immigration in die USA) sowie zahlreichen eigenen Erfahrungen bei der Einreise in die USA als weiße Europäerin auf Besuch oder geschäftlich, glaube ich nicht daran, dass eine Einreise in die USA ohne die notwendigen Dokumente so glatt laufen würde. Trotzdem alles in allem ein lesenswertes Buch, das mir das Land Afghanistan ein Stück näher gebracht hat.
Grandios - Ich habe das Buch geschenkt bekommen, und das war gut so, denn normalerweise hätte ich mich nicht für eine Geschichte, die in Afghanistan spielt, interessiert. Diese hier ist jedoch so spannend und bilderreich erzählt, dass ich das Buch innerhalb kurzer Zeit verschlungen habe. Ein grandioses Werk, was einen an einer mitunter recht fremnden Welt teilhaben lässt, die zum Teil sehr grausam ist. Trotzdem macht das Buch, in deren Mittelpunkt die Freundschaft zwischen den beiden Jungs Amir und Hassan steht, Mut und Hoffnung.
Ein tolles Buch grandios gelesen - An einem eiskalten, bedeckten Wintertag des Jahres 1975 wurde ich im Alter von zwölf Jahren zu dem, der ich heute bin. Ich erinnere mich noch genau an den Moment: Ich hockte hinter einer bröckelnden Lehmmauer und spähte in die Gasse in der Nähe des zugefrorenen Bachs. Viel Zeit ist inzwischen vergangen, aber das, was man über die Vergangenheit sagt, dass man sie begraben kann, stimmt nicht. So viel weiß ich nun. Die Vergangenheit wühlt sich mit ihren Krallen immer wieder hervor. Wenn ich heute zurückblicke, wird mir bewusst, dass ich die letzten sechsundzwanzig Jahre immerzu in diese einsame Gasse gespäht habe. Afghanistan, 1975. Der Paschtune Amir ist 12 Jahre jung und wächst sehr wohlbehütet in Kabul auf. Sein Vater ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der Familie geht es finanziell gut und kann sich Diener leisten. Einer von ihnen ist der Hazara Ali, der gemeinsam mit seinem, ebenfalls 12 Jahre alten Sohn Hassan, in einer Hütte hinter dem wundervollen Haus lebt. Die zwei Jungen sind unzertrennlich gute Freunde und verbringen jede freie Minute miteinander. Sie wissen nicht, dass sie eigentlich noch viel mehr miteinander verbindet. Doch ist es keine gleichgestellte Freundschaft, Amir bestimmt, wo es lang geht, Hassan führt es aus und riskiert viel für seinen geliebten Freund Amir. Amir liebt lesen und schreibt gerne Geschichten, er liebt es, seinem Freund vorzulesen, doch sein Vater würde viel lieber sehen, wenn er Fußball spielen würde oder Drachen steigen lassen würde. Hassan kann nicht lesen und auch nicht schreiben und Amir fällt es auch nicht ein, seinem Freund dies beizubringen. Über Kabul flogen viele bunte Drachen, in zahlreichen Wettbewerben wurde der beste Drachenläufer ermittelt. Amir und Hassan haben nur ein Ziel, sie wollen den wichtigsten Wettbewerb gewinnen und tun alles dafür, ihr großes Ziel zu erreichen. Amir will einmal Respekt von seinem Vater. Niemand ahnt, dass dies der letzte Tag ihrer Freundschaft sein wird. Amir verrät seinen Freund auf schändlichste Art und Weise. Ihre Freundschaft ist kaputt. Im vergangenen Sommer rief mich eines Tages mein Freund Rahim Khan aus Pakistan an. Er bat mich, ihn zu besuchen. Während ich in der Küche stand und den Hörer ans Ohr hielt, wusste ich, dass das da am Telefon nicht nur Rahim Khan war. Es war die ungesühnte Schuld meiner Vergangenheit. Nachdem ich aufgelegt hatte, machte ich einen Spaziergang entlang dem Spreckels Lake am nördlichen Rand des Golden Gate Parks. Die frühe Nachmittagssonne glitzerte auf dem Wasser, wo Dutzende von Spielzeugbooten, von einer frischen Brise angetrieben, dahinsegelten. Als ich aufblickte, entdeckte ich am Himmel zwei Drachen rot mit langen blauen Schwänzen. Sie tanzten hoch oben über den Bäumen am westlichen Ende des Parks, schwebten Seite an Seite wie ein Augenpaar, das auf San Francisco hinunterblickte, die Stadt, die ich heute mein Zuhause nenne. Und plötzlich flüsterte Hassans Stimme in meinem Kopf: Für dich tausendmal. Hassan mit der Hasenscharte, der so gern Drachen steigen ließ. Heiligabend 1979 beginnt die Katastrophe für Afghanistan, einer von viel zu vielen Kriegen beginnt. Amir und sein Vater fliehen in die USA und bauen sich dort ein komplett neues Leben auf. Doch wird Amir verfolgt jahrelang von seinen Schuldgefühlen, er kann den Tag nicht vergessen, an dem seine unvergessliche Freundschaft zu Hassan zerbrach. Da klingelt das Telefon, Ali ist am anderen Ende. Amir reist in seine geliebte Heimat, die ihm so fremd geworden ist. Afghanistan wird von den Taliban regiert, er erkennt seine Heimat nicht wieder. Doch kann er alles wieder gutmachen, was damals geschehen ist? Wird er Hassan wiedersehen?Drachenläufer ist die zutiefst bewegende Geschichte einer Freundschaft. Es ist zugleich die Erinnerung an ein Afghanistan ohne Krieg, an ein Volk, dem Bildung, Kultur und Friede wichtig war. Der Bestseller ist aber auch eine Parabel über Verrat, Scham und Wiedergutmachung. Hosseini lässt uns teilhaben an einem Leben in einem wunderbaren Land, an friedvollem Alltag in Kabul, aber auch an dem Leben unter der Tyrannei der Taliban. Drachen spielten eine wichtige Rolle im Leben der Afghanen, Hosseini erläutert hier in seiner Geschichte warum und wieso die Taliban die Drachen schnellstmöglich verboten. Dieses Buch ist eine Geschichte, die aus einem Volk von Geschichtenerzählern stammt, was man in jedem Satz merkt. Man kann lachen, man will weinen, ist traurig, froh und erschüttert. Ich setzte mich auf eine Parkbank in der Nähe einer Weide und dachte über etwas nach, was Rahim Khan, kurz bevor er auflegte als wäre es ihm im letzten Moment noch eingefallen -, gesagt hatte. Es gibt eine Möglichkeit, es wieder gutzumachen. Ich blickte zu den beiden Drachen hinauf. Ich dachte an Hassan. An Baba. An Ali. An Kabul. Ich dachte an das Leben, das ich geführt hatte, bis jener Winter des Jahres 1975 kam und alles veränderte. Und mich zu dem machte, der ich heute bin.Markus Hoffmann erzählt diese zutiefst menschliche und poetische Geschichte so, dass 650 Minuten vorbeiziehen, man gemeinsam mit Amir und Hassan durch Afghanistan streift, mit Hassan leidet und Amir nicht immer verstehen kann. Nach dem letzten Ton will man am liebsten nochmal alles hören, so warmherzig und feinfühlig erzählt der Sprecher. Es ist eine Geschichte, die man nie mehr vergisst, schon gar nicht nach dieser einfach wundervollen Lesung. Alle, die das Buch geliebt haben, werden es danach noch mehr lieben! Drachenläufer ist eine autorisierte Hörfassung auf neun CDS mit einer Laufzeit von ca. 650 Min. Besonders interessant ist das Interview mit Khaled Hosseini im Booklet.
Großes Lesevergnügen der EXTRAKLASSE ! - Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals ein Buch lesen würde, welches von Afgahnistan handelt, doch Dank des Drachenläufers habe ich es nun getan und bereue keine Minute meiner Zeit, die ich mich mit diesem Roman befasst habe. Der Autor hat einen wunderschönen, ruhigen Erzählstil, welcher den Leser sofort in seinen Bann zieht. Selbstverständlich ist es keine leichte Kost, da er unter anderem von Steinigungen, Vergewaltigungen, Hinrichtungen und Kindesmissbrauch berichtet, was den Leser doch sehr betroffen macht und tief berührt. Ein im positiven Sinne aufwühlenden Roman, der auch einmal zum Nachdenken anregt und sicherlich den einen oder anderen Leser zum Weinen bringen wird. Doch stets ist da immer ein kleiner Hoffnungsschimmer, welcher die Geschehnisse, so grausam sie auch stellenweise sind, erträglicher machen. Wer dieses Buch nicht gelesen hat, hat für meine Begriffe eines der schönsten Bücher verpasst.